Auszug aus der Kurzgeschichte: „Jonas dribbelt durch die Wörter“ von Norma Cleve
Eine Mutmach-Geschichte für Kinder von 8-11 Jahren mit Begleitmaterial zur Förderung des Lesens und Schreibens
____________________________________
zur Autorin – Norma Cleve:
Norma Cleve ist Diplom-Sozialpädagogin (FH) und als Lerntherapeutin für Lese-Rechtschreibschwäche/LRS und Rechenschwäche/Dyskalkulie tätig.
Norma Cleve: „In jeder Klasse sitzen mehrere Kinder mit besonderen Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.
In meiner Lernpraxis im Kölner Umland unterstütze ich seit zwanzig Jahren die Kinder und Jugendlichen mit zahlreichen Spielen, Materialien und Methoden dabei, das Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen und wieder Spaß am Lernen zu bekommen.
Es ist eine Herzenssache für mich geworden, sie und ihre Familien zu begleiten.
Die Lehrkräfte hole ich immer mit ins Boot. Zu sehen, wie langsam der Schulfrust verschwindet und die Schülerinnen und Schüler zu selbstbewussteren, fröhlicheren Menschen werden, die im Unterricht besser klarkommen, ist das größte Geschenk.
Mit meiner Erfahrung als Lerntherapeutin entstand die mutmachende Geschichte von Jonas, der sich durch die Buchstaben und Wörter dribbelt.
Das vielfältige Begleitmaterial in Form von Kopiervorlagen kann direkt zum Üben eingesetzt werden.
Meine Spiele, Übungen und Arbeitsblätter sind praxiserprobt. So macht das effektive Lernen Freude! Das Buch bietet Lehrkräften, Eltern und Förderpersonen eine große Materialsammlung sowie fundierte Infos rund ums Thema LRS.“
Leseprobe aus: „Jonas dribbelt durch die Wörter“ von Norma Cleve, Lerntherapeutin und pädagogische Grundschulfachkraft
Die schwierigen Buchstaben
Wörter sehen für Jonas manchmal aus, als hätten sie beschlossen, Fangen zu spielen. Buchstaben tauschen ihre Plätze, verschwinden plötzlich oder tauchen doppelt auf.
Aus fahren wird frahen oder faren.
Beim Vorlesen stockt Jonas oft. Einige Kinder kichern leise. Jonas wird rot.
„Du hast eine LRS“, hat die Klassenlehrerin, Frau Schuster, gesagt, nachdem sie ihn getestet hat. Lese-Rechtschreib-Schwäche.
Jonas hasst den Begriff, weil es bedeutet, dass er länger braucht, mehr Fehler macht und manchmal das Gefühl hat, dümmer zu sein als die anderen.
„Dein Gehirn braucht andere Wege zum Lernen.“, erklärt ihm Frau Schuster.
Jonas findet das blöd. „Das klingt nicht gut.“, denkt er.
Wenn Jonas in Deutsch einen Text voller roter Korrekturen zurückbekommt, starrt er aus dem Fenster.
…
Eines Mittwochnachmittags, als Jonas gerade auf dem Basketballplatz steht und allein Würfe übt, kommt sein Sportlehrer vorbei.
„Jonas“, ruft Herr Petersen, „du hast wirklich Talent.
Hast du mal daran gedacht, in einen Verein zu gehen?“
Jonas zuckt mit den Schultern. „Vielleicht. Aber … na ja … ich muss zu Hause immer üben. Lesen und Schreiben und so.“
„Das eine schließt das andere nicht aus“, meint Herr Petersen.
„Weißt du, manchmal hilft der Sport sogar beim Lernen. Er gibt dir Selbstvertrauen.“
Das Wort Selbstvertrauen bleibt Jonas im Kopf hängen. Er hat das Gefühl, davon nicht genug zu haben. Zumindest nicht in der Schule.
Aber vielleicht kann er es von der einen in die andere Welt mitnehmen.
Vom Basketballplatz ins Klassenzimmer.
…
Am Freitag spricht Frau Schuster ihn nach dem Unterricht an.
„Jonas, ich habe mit deinen Eltern geredet. Wir möchten dich unterstützen. Ab nächster Woche kommt Frau Neumann, unsere LRS-Förderlehrerin. Sie arbeitet mit dir regelmäßig jede Woche.“
Jonas denkt: „Das wird langweilig.“ Förderunterricht klingt nicht nach Spaß.
Doch als er Frau Neumann kennenlernt, ist er überrascht.
…
Mit der Zeit passiert etwas Unerwartetes: Jonas beginnt, Wörter wie Bälle zu sehen.
Ein schwieriges Wort ist wie ein kniffliger Wurf von der Dreier-Linie.
Er entdeckt Muster und lernt kleine Tricks, um sich schwierige Schreibweisen zu merken.
Und wenn er doch Fehler macht, zuckt er nicht mehr zusammen.
Jonas merkt bald: Ein schwieriges Wort ist wie ein schwerer Wurf.
Man muss üben, um zu treffen. Fehler sind Würfe, die daneben gehen.
Aber man kann es nochmal probieren.…
