Kindern mit einer Dyskalkulie fehlt in der Regel ein grundsätzliches Zahlenverständnis. Sie haben nicht die nötigen Voraussetzungen, um vom Unterricht profitieren zu können. Sie verstehen unser auf der Zehnerbündelung basierendes Zahlensystem nicht und entwickeln keine Rechenstrategien die das Kopfrechnen erleichtern. In der Regel verstehen sie Rechnen als Vorwärts- und Rückwärtszählen. Dazu werden die Finger als Zählhilfe benötigt, was weitaus zeitaufwendiger ist, als die Etappen über Zahlzerlegung und Bündelungen zu nutzen.

Zum Verständnis: Zählen Sie einmal 72-28 rückwärts ab, statt zum Beispiel zu rechnen: 72-20= 52, 52-2= 50, 50-6= 44

Betroffene Kinder haben auch schon im Vorschulalter keine Vorstellungen von Zahlen und Mengen entwickeln können und können diese daher nicht in ihr Spiel integrieren, somit fehlen Erfahrungswerte.

 

Im basalen Bereichen kann auffallen:

  • Begriffe wie „mehr“ oder „weniger, „eins vor“ oder „eins zurück“, „größer“ oder „kleiner“, „davor“ oder „dahinter“ bereiten Schwierigkeiten,
  • Wochentage und Monate werden durcheinandergebracht,
  • Würfelbilder werden viel langsamer erkannt,
  • Ziffern können nicht den entsprechenden Zahlenwerten zugeordnet werden,

 

In der weiteren Entwicklung beobachtet man zum Beispiel:

  • Schwierigkeiten die analoge Uhr zu lesen,
  • die Finger werden zum Errechnen von für die meisten Menschen einfachsten Aufgaben im Bereich 1 bis 10 genutzt, chronifiziertes zählendes Rechnen, einfache Aufgaben wie 3+4 werden nicht automatisiert,
  • Subtraktions- und Divisionsaufgaben bereiten große Schwierigkeiten,
  • Zahlen werden verkehrt herum gelesen oder aufgeschrieben z.B. 13/31,
  • der Zehnerübergang wird nicht gemeistert,
  • Rechenaufgaben, die gestern noch funktionierten, klappen heute nicht mehr,
  • Platzhalter und Umkehraufgaben bereiten besondere Schwierigkeiten,
  • Rechenoperationen werden verwechselt,
  • die Vorstellung von Werten und Größen wie zum Beispiel Maßeinheiten, Geldbeträge fällt schwer,
  • Schwierigkeiten, den Vorgänger und Nachfolger einer Zahl oder eines Zehners nennen zu können,
  • die Null bereitet Schwierigkeiten, da sie als Zahl nicht erkannt wird,
  • die Stellenwerte beim Rechnen werden nicht beachtet zum Beispiel wird 23 + 40 wie folgt gerechnet 2 + 0 = 2 und 3 + 4 = 7 Ergebnis = 27,
  • Schwierigkeiten, die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses einschätzen zu können,
  • das Einmaleins geht bei vielen Kindern  immer wieder verloren, trotz regelmäßiger Übung,
  • Schätzen und Überschlagen von Summen bereitet große Schwierigkeiten,
  • Textaufgaben werden nur schwer oder gar nicht verstanden,

 

In der Folge der ständigen Überforderung können weitere Probleme entstehen:

  • Unlust zum Rechnen, Konzentrationsschwierigkeiten, „stundenlanges“ Rechnen,
  • Schüler haben oft psychische Probleme und kommen sich minderwertig vor,
  • bei Mathehausaufgaben verbreitet sich grosse Frustration,
  • betroffene Schüler müssen mehr, intensiver und länger an den gleichen Aufgaben arbeiten als andere Kinder,
  • bei Kopfrechenaufgaben wird während des Rechnens die Aufgabe vergessen,
  • vor Klassenarbeiten wird der Betroffene nervös, klagt über Übelkeit und Kopfschmerzen oder andere Angstsymptome (psychosomatisch),
  • betroffene Kinder weichen zunehmend allem aus, was mit Rechnen zu tun hat, auch zum Beispiel durch Clownerei,
  • große Müdigkeit bei der Beschäftigung mit Rechenanforderungen,
  • Angst vor Peinlichkeiten im Alltag, zum Beispiel werden Gesellschaftsspiele oft gemieden, weil das Rechnen darin vorkommen könnte wie beim Ermitteln des Punktestandes,
  • Vermeiden, beim Bezahlen Geld abzuzählen,
  • Schwierigkeiten im Umgang mit der Zeit, Zeitdauern können nicht eingeschätzt werden,
Treffen einige der oben genannten Dinge zu, ist eine Diagnostik wichtig, um zu klären, ob es sich um eine Dyskalkulie/Rechenschwäche handelt, damit der Schüler verstanden wird und passgenau unterstützt werden kann. Das kann Eltern und Kind viel Druck nehmen. Kinder mit einer Fehlentwicklung im Rechnen benötigen nicht einfach nur mehr Übung, sondern einen neuen Zugang zum Rechnen. Beim vermehrten Üben verfestigen sich oft die ungünstigen Rechenstrategien. Es entlastet zu verstehen, dass das Kind weder „faul“ noch „dumm“ ist, sondern spezielle Hilfen benötigt.